Laute sind Kraftsysteme
Sie werden bemerken, dass die Bewegungen in der Eurythmie oft den Namen von Buchstaben haben.
In diesem Video möchte ich Ihnen erklären, warum.
Buchstaben bezeichnen Kraftsysteme des Organismus.
In jeder Zelle, in jedem Prozess in unserem Körper gibt es so etwas wie ein Strecken, ein Runden, ein Zusammenziehen, ein Schieben, ein Rollen, ein Ankommen, ein Durchlüften, ein Verdichten, ein Durchdringen.
In diesen Prozessen wirken Kraftsysteme, die dazu dienen, unsere Lebensprozesse zu steuern und unseren Organismus gesund zu erhalten.
Diese Kraftsysteme nutzen wir auch für unser Sprechen.
Laute sind nicht willkürlich konstruierte Klänge.
Sie beruhen auf den Kraftsystemen, die in uns wirken.
Und jedes dieser Kraftsysteme hat eine andere Dynamik und dadurch jeder Laut einen anderen Klang.
Auf dieser Grundlage konnte die Menschheit im Laufe der Zeit die Sprache entwickeln, dass damit nicht nur emotionale Inhalte, Du Depp, sondern mit der Zeit auch Gedanken und Begriffe transportiert werden konnten.
In der Eurythmie interessieren wir uns für diese in unserem Körper wirkenden Prozesse und Kraftsysteme als Grundlage unserer Bewegungs- und Ausdrucksmöglichkeiten.
Da sie in der Sprache einzeln als Laute zum Ausdruck kommen, bilden die Laute das Mittel für die Auseinandersetzung mit diesen Kräften.
Wenn wir ihnen mit dem Körpergefühl nachspüren und sie in der Bewegung sichtbar werden lassen, werden wir 1 mit diesen Kräften.
Und sie wirken stärkend und belebend bis in unsere Haltung, Bewegung und Ausstrahlung.
Bei einem Vokal bestimmt die ruhig strömende Luft die Schwingung der Stimmbänder und deren Spannung die Tonhöhe.
Ob es ein AEI oder o wird, wird von der Stellung und der Spannung des Rachens, des Halses und des ganzen Körpers bestimmt.
Beim I dominiert zum Beispiel das Prinzip des Streckens, beim o des Rundens, beim e das links und rechts, beim u das Zusammenziehen.
Beim a braucht es im Hals die Geste des sich Öffnens.
Wenn ich das öffnende Prinzip des a zurücknehme und zum Schmalwerden des u übergehe, erklingt ein au.
Bei den Konsonanten haben wir nicht wie bei den Vokalen eine ruhig strömende Luft, die durch Stellungen des Körpers und des Mundraums einen anderen Klang bekommt.
Bei den Konsonanten wird die Luft gestoppt, geformt oder beschleunigt.
Im Mundraum zum Beispiel, wenn die Lippen sich schließen, entsteht das b, wenn die gestaute Luft entlassen wird.
Oder bei der Zunge, ein s, wenn sie die Luft formt.
Oder mit der Kraft des Brustkorbs ein ha, wenn die Luft beschleunigt, aus dem Körper entlassen wird.
Diese Kräfte, die unsere Lebensprozesse organisieren und in unserer Sprache wirken, sollte man sich nicht mechanisch vorstellen.
Sie sind vielschichtig organisiert und miteinander vernetzt.
In unserer Fachsprache nennen wir diese Kräfte den Ätherleib.
Im Körper wirken diese Kräfte immer zusammen, sonst gibt es zum Beispiel Rhythmusstörungen oder andere Krankheiten.
In der Sprache wirken sie einzeln und erscheinen in den Lauten.
Dort können wir sie direkt erleben.
Warum tut es uns spürbar gut, wenn wir uns in der Origomie mit diesen Kräften beschäftigen?
Wir lernen unbewusste Kraftressourcen kennen und können sie zur Wirkung bringen.
Wir werden stärker dadurch.
Umgekehrt tut es auch diesen Kräften gut, wenn sie von uns wahrgenommen werden.
Sie blühen auf und versorgen uns mit neuer Energie.
Sie machen uns gesünder.
Beim I spüren wir zum Beispiel, wie wir uns verwurzeln können und wie uns das kann.
Und uns hilft als individueller Mensch im Spannungsfeld von Himmel und Erde selbstbewusst unseren Weg zu gehen.
Beim eurythmischen Schreiten oder beim einfachen Auf- und Abströmen erleben wir die Kräfte der Laute nicht einzeln, sondern in ihrem subtilen Zusammenwirken.
Sie werden merken, auch das wirkt stärkend auf Ihre Verfassung.
Ich verspreche Ihnen, mit der Eurythmie werden Sie sich selbst anders spüren und schätzen lernen.
So wie ich die Menschen in meiner Umgebung brauche, mit denen ich mich verstehe und im Austausch bin.
So brauche ich auch den Umgang mit den Kräften in meinem Inneren, die mich lebendig und gesund sein lassen.
Bookmarks
Die Laute des Alphabets sind ein Ausdruck für das systematische Zusammenspiel unserer inneren Kräfte. Wenn du sie entdeckst und innerlich in Bewegung bringst, kannst du sie auch im täglichen Leben entdecken und für dein persönliches Wohlbefinden anwenden.
























