Posttraumatisches Wachstum: Geistig – Seelisch – Körperlich

Posttraumatisches Wachstum Diagramm

Trauma-Therapie und posttraumatisches Wachstum

Der Begriff "posttraumatisches Wachstum" stammt von Richard G. Tedeschi und Lawrence G. Calhoun [1], die sich sowohl theoretisch als auch empirisch damit auseinandergesetzt haben. Er weist darauf hin, dass sich die Opfer nicht nur vom Trauma erholen, sondern es als Chance für persönliches Wachstum nutzen können.

Es erscheint paradox, dass gerade aus einem Verlust ein Gewinn entstehen kann. Doch inzwischen gibt es zahlreiche Berichte darüber, dass schwerwiegende Lebensereignisse tatsächlich als Katalysatoren für posttraumatisches Wachstum wirken können.

Was sind die Hauptfaktoren, die posttraumatischem Wachstum unterstützen?

Eine internationale Vergleichsstudie von J. Mangelsdorf und M. Eid [2] hat gezeigt, dass Menschen, denen es gelang, trotz der erlebten kritischen Erfahrungen, Momente positiver Emotionalität zu schaffen, über unterstützende soziale Beziehungen verfügten und in der Lage waren, dem Erlebten im Nachhinein einen Sinn zu geben, mit grösserer Wahrscheinlichkeit ein posttraumatisches Wachstum aufwiesen, und identifizierten damit die folgenden 3 Faktoren:

  • das Vorhandensein von positiven Emotionen
  • soziale Unterstützung
  • die Schaffung von Sinn aus dem Erlebten

Diese Faktoren dienen auch in der therapeutischen Behandlung als zentraler Leitfaden für die Unterstützung posttraumatischen Wachstums.

Welches Prinzip ist für die das posttraumatisches Wachstum unterstützende therapeutischen Arbeit das wichtigste?

Die meisten traumatherapeutischen Methoden zielen auf die Reduktion von Trauma-assoziierten Symptomen und die Integration und Verarbeitung des Erlebten. Dieser Ansatz ist auch die Grundlage für die Förderung des posttraumatischen Wachstums.

Wachstum kann jedoch erst dann stattfinden, wenn der akute Zusammenbruch der psychischen Funktionalität überwunden ist. Deshalb sollte man mit der gezielten therapeutischen Arbeit für das posttraumatische Wachstum erst beginnen, wenn die akute Phase der Anpassung bereits bewältigt ist.

Darum ist die Wahl des richtigen Zeitpunkts von besonderer Wichtigkeit. Die oben erwähnten Komponenten kommen als wichtige Wegweiser dazu: Das Vorhandensein von unterstützenden Beziehungen, positive Emotionen und das Finden von Sinn im Erlebten.

Gibt es noch weitere Faktoren für das Posttraumatische Wachstum? Wir meinen Ja!

Noch immer steckt die Forschung zu posttraumatischem Wachstum in den Kinderschuhen. So beziehen sich die meisten Erkenntnisse über das, was Menschen darin unterstützt, gestärkt aus potenziell traumatischen Ereignissen hervorzugehen, auf Querschnittsstudien und können damit nur als erste Ideengeber gesehen werden.

In der Eurythmy4you Trauma Konferenz 2023 widmen wir uns deshalb neben den oben genannten drei Leitfaktoren einem vierten Prinzip, dem wir einen hohen Bedeutungsgrad beimessen. Dem Körper. Er ist ein Erinnerungsspeicher für den erlittenen Schmerz, aber er bildet auch den Boden, auf dem Wachstum stattfindet.

Wie man gezielt positive Emotionen und das Finden von Sinn bei der Traumabewältigung fördert, erfährst du in den Vorträgen der Ärzte, Psychiater und Psychotherapeuten der Eurythmy4you Trauma Konferenz.

Welche Rolle dem Körper dabei zukommen kann, welche Potentiale für posttraumatisches Wachstum in ihm verbogen sind, kannst du in den vielen körpertherapeutischen Workshops am eigenen Leib miterleben.

Eurythmy4you Trauma Konferenz
Traumatherapie und posttraumatisches Wachstum
Theorie, Erste Hilfe und komplementäre Therapie


[1] Richard G. Tedeschi, Lawrence G. Calhoun: Trauma and transformation: Growing in the aftermath of suffering. Sage Publications, Newbury Park 1995.

[2] Judith Mangelsdorf, Michael Eid (2015). What makes a thriver? Unifying the concepts of posttraumatic and postecstatic growth. Frontiers in Psychology, 6, 1–17. Full Article

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