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I-Engel

Interpretation des «I»-Engels in der Kreuzigungsszene*

Die Evangelien schildern Ereignisse, bei denen Menschen das Göttliche mit eigenen Augen erblicken. Diese Augenblicke sind verbunden mit unglaublicher Freude und tiefer Hoffnung: Das Göttliche ist persönlich in der Welt erschienen, die Welt wird endlich die langersehnte Wendung hin zum Guten nehmen!

Montorfano - Christus und Engel.pngDie Freude währt nicht lange. Maria Magdalena, Jesu engste Gefährtin, erlebt am Fusse des Kreuzes die bittere Realität. Anders als seine Mutter Maria** hält sie sich aus eigener Kraft. Innig umfasst sie das Kreuz und richtet sich daran auf. Sie ist mit Jesus durch den Schmerz hindurchgegangen. Ihre Beine zeigen dieselbe Energie wie die des Engels mit dem «E».

Jesus breitet im Reich der Engel die Arme aus und schaut zu Magdalena hinab. Für Magdalena ist Jesus und die durch ihn repräsentierte Kraft nur noch innerlich erreichbar.

Wir sind aufgerufen, uns selbst zu unserem eigentlichen Wesen aufzuschwingen, aufs eigene Innere zu lauschen und selbstbestimmt zu handeln. Uns mit dem Schicksal der Erde zu verbinden und Ja zu sagen zu dem, was uns auf unserem Weg begegnet.

Die Gebärde des «I» greift in beide Sphären. Sie steht für das zentrale Potential des Menschen – eine Persönlichkeit zu werden, die Geist und Wirklichkeit aus der Mitte heraus selbstbewusst verbinden kann.

Wo Leben ist, finden wir Polaritäten, und das «I» ist der Repräsentant aller Polaritäten. Es ist verbunden mit Merkur, der wie kein anderer Planet einen Doppelaspekt in sich trägt.

Als Götterbote vertritt Merkur ein kosmisches Prinzip, das den Menschen an seinen geistigen Ursprung erinnern möchte.
Als Herr der Diebe macht er die Menschen auf das Naheliegende aufmerksam: „Wenn nicht ich für mich sorge, wer denn dann?“
Zwischen diesen gegensätzlichen Haltungen entfaltet Merkur seine Lebendigkeit, seine Kreativität, Spontaneität und Verwandlungsfähigkeit. Als Organ ist ihm die Lunge zugeordnet.

* Bildausschnitt aus Giovanni Donato da Montorfano, Kreuzigung, Santa Maria delle Grazie in Mailand. Erläuterung am Kursanfang.

** Diese Aussage bezieht sich auf das vollständige Kreuzigungsbild am Kursanfang: Maria steht in etwas Abstand links vom Kreuz, muss von anderen gestützt werden und lässt ihren Sohn mit einer «A»-Gebärde nach unten in Liebe los.